Geschwister-Scholl-Schule Tübingen

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Schulsozialarbeit

Rainer Borst Porträt

Rainer Borst, SchulSozialPädagoge, Familientherapeut und Streitschlichter berichtet.

Wie alles anfing...

Vor 30 Jahren habe ich in Tübingen als erster Sozialpädagoge an einer Tübinger Schule angefangen. Mittlerweile habe ich 13 Kolleginnen und einen Kollegen, die an ganz verschiedenen Tübinger Schulen als SchulsozialpädagogInnen arbeiten...

In den ersten Jahren sammelte ich als frischgebackener Diplompädagoge erste gute Erfahrungen mit sozialpädagogischen Freizeitaktivitäten (Kajakbau, Volleyball-AG, Zeltfreizeiten), Angeboten für Klassen im Unterricht (Spielstunden oder Projekte zum Sozialen Lernen) oder der Einrichtung unseres Schülercafés (das es heute noch gibt!) und Bauaktionen in Zimmern. Im Lauf der Zeit kamen der Schultreff und Angebote zum Übergang Schule-Beruf für Hauptschüler und vor 20 Jahren das Mentoren-Projekt hinzu.

Meine beruflichen Kompetenzen habe ich durch langjährige Erfahrungen und Fortbildungen erweitert - Nicht zuletzt dadurch hat sich das Profil meiner Arbeit deutlich verändert: Beratung, Einzelfallhilfe und Coaching in Konfliktsituationen -auch für KollegInnen- spielen nun eine wesentlichere Rolle: Während ich früher noch öfter Klassenprojekte mitgeplant und durchgeführt habe, unterstütze ich nun KollegInnen bei Bedarf in der Planung oder ich leite engagierte Jugendliche an, die dann, z. B. als MentorInnen, selbst Angebote machen können.

Wie meine Arbeit einzuordnen ist...

Neben der Familie ist die Schule für mich die wesentliche Sozialisationsinstanz. In der Schule zeigen sich folgerichtig frühzeitig Defizite im Verhalten und Lernen von Jugendlichen. Sozialpädagogische Unterstützungsangebote in der Schule können und sollen dazu beitragen, ein Herausfallen aus der Bezugsgruppe zu verhindern (im Sinn Präventiver Jugendhilfe) und Problem-Karrieren vermeiden helfen, durch Auf- und Ausbau hilfreicher Fähigkeiten.

Als Schulsozialpädagoge verstehe ich mich als

  • Bindeglied zwischen Schule und Jugendhilfe im Sinn gelingender Kooperation ebenso wie
  • als Mittler zwischen Elternhaus, Gemeinwesen und anderen Sozialen Diensten (wie Jugendhaus, Tagesgruppe, Arbeitsamt, Beratungsstellen, Therapeuten, Drogenberatung...).

Ich begreife mich als gleichrangiger Kooperationspartner für Lehrerinnen und Lehrer, der eigene pädagogische und therapeutische Kompetenzen einbringen kann. Neben meiner Ausbildung zum Sozialpädagogen habe ich Qualifikationen und praktische Erfahrungen als Familientherapeut, Supervisor und Mediator erworben, um so besser auf Anforderungen in unserem Schulzentrum reagieren zu können. Eltern und Jugendliche haben die Möglichkeit, sich vor Ort vertraulich und kostenlos beraten zu lassen.

Anlass für Beratung und Hilfsangebote sind

  • Leistungskrisen und Selbstwertprobleme
  • Schwierigkeiten mit Freunden, Eltern oder Geschwistern
  • Außenseiter-Erfahrungen in der Klasse bis hin zu Mobbing
  • Massive Konflikte mit anderen und aggressives Verhalten
  • Ängste und beunruhigendes Verhalten bis hin zu Suiziddrohungen
  • Selbstschädigendes Verhalten (Selbstverletzung, Drogenkonsum)
  • unregelmäßiger Schulbesuch, Schulmüdigkeit, Verweigerung

Angebote für Jugendliche und Eltern

Meine Angebote richten sich in erster Linie an Jugendliche und ihre Eltern. Da ich nach nun 30 Jahren das Schulzentrum, wichtige Personen und Abläufe gut kenne, kann ich auch LehrerInnen Unterstützung anbieten. Und im neuen ErKo-Bereich der Schule begleite ich die Arbeit, die unsere Lerncoaches hier leisten...

tabelle einzelfaelleZu einem wesentlichen Arbeitsschwerpunkt ist so in den letzten Jahren "Beratung und Einzelfallhilfe" geworden. Wie die nebenstehende Statistik deutlich macht, habe ich so innerhalb eines Schuljahrs mit vielen Kindern und Jugendlichen unserer Schule intensiver zu tun ...

In diesen Gesprächen verstehe ich mich als Klärungshelfer und neutraler Coach: Bewusst verzichte ich darauf, Patentlösungen und Rezepte oder langfristig angelegte therapeutische Hilfe anbieten zu wollen. Häufig spielen wir statt dessen ganz praktisch Verhaltensalternativen durch oder suchen nach Ausnahmesituationen und eigenen Stärken, die hilfreich sein könnten.

Als ganz wesentlich erweist es sich immer wieder, Jugendliche so zu stärken, dass es ihnen gelingt, selbst mehr Verantwortung für ihre Situation zu übernehmen und gemeinsam eine für sie stimmige Lösung suchen zu können.

Das schriftliche Festhalten von Vorhaben („Vertragsarbeit“), deren Umsetzung in einem gewissen Abstand gemeinsam überprüft wird, hat sich hier u.a. als hilfreich erwiesen. Wenn Ratsuchende zustimmen, vereinbaren wir ggf. gemeinsame Gespräche mit Lehrern, Mitschülern oder anderen Unterstützern. Im Einzelfall ebne ich auch den Zugang zu wichtigen sozialen Einrichtungen oder den KollegInnen im Jugendamt.

Austausch und Coaching mit KollegInnen

Im Lauf der Jahre haben immer mehr KollegInnen in Möglichkeit in Anspruch genommen, in einem (oder mehreren) Gespräch(en) wegen pädagogischen Fragen aber auch wegen persönlichen Themen, meine Hilfe in Anspruch zu nehmen. In den formellen Coaching-Gesprächen spielen wir beispielsweise Ideen für den adäquaten Umgang mit Außenseitern, mit„Mobbing“, oder störendem Schülerverhalten durch, die die Lehrer dann ausprobieren.

Ebenso wichtig erscheinen mir informelle Gespräche (die u. U. auch zu einem „Auftrag“ bezüglich eines Schülers führen können), die sich im Schulalltag zwischen Tür und Angel, beim Kaffeetrinken oder beim Mittagsimbiss, ergeben.

Konfliktregelung und Mediation

tabelle SchlichtungenBei Schulkonflikten werden Streitschlichtung und Mediation (vorrangig in den Klassen 5 bis 9) regelmäßig nachgefragt. In den vergangenen Jahren wurde ich in über 2oo Fällen (bei denen es teils um massive Beleidigungen, schwerwiegende körperliche  Auseinandersetzungen, Sachbeschädigung und Eigentumsdelikte ging) als Schlichter tätig. In aller Regel werden sie mit einem Ergebnisprotokoll abgeschlossen.

In manchen Fällen verzichten wir bewusst auf ein förmliches Schlichtungsverfahren: Manchmal ist es günstiger, betroffene Jugendliche dabei zu unterstützen, andere Strategien und damit Selbstbewusstsein zu entwickeln, um sich dann selbst in angemessener Weise abzugrenzen und eingefahrene Konfliktmuster zu unterbrechen...

Und natürlich – unser Schüler-Mentoren-Projekt!

Hervorheben möchte ich noch die Bedeutung des Schüler-Mentoren-Projekts: SchülerInnen der Mittelstufe erhalten hier seit vielen Jahren (ab der 9. Klasse) die Chance, attraktive Angebote für die Orientierungsstufe selbst zu entwickeln und durchzuführen.

plakat u-festIm Lauf des Schuljahrs veranstalten die MentorInnen neben vier Unterstufen-Festen (mit jeweils bis zu 450 Besuchern !), ein großes Open-Air-Sport-Event zu Schuljahrsbeginn, einen Weihnachts-Bastel-Basar, eine sehr aufwändige Übernachtungsaktion für alle 5. Klassen mit Gruselparcours und (Mitter-)Nachtschicht-Angeboten und daneben eine Vielzahl an klassenbezogenen Freizeit-Aktionen ... Besonders diese Großaktionen erfordern intensive Anleitung und Unterstützung, regelmäßige und kontinuierliche Vor- und Nachbereitungszeiten, ebenso wie Planungssitzungen mit den MentorensprecherInnen:

Dazu kommen zwei mehrtägige Workshops im Bauernhaus in Zimmern als auch monatliche Mentoren-Treffen in der Schule. Hier geht es nicht zuletzt darum, das Konzept und neue Ideen gemeinsam weiter zu entwickeln, um die vielen InteressentInnen angemessen einsetzen zu können. Ohne erhebliches zeitliches Engagement in diesem Bereich würde dieses Angebot nicht existieren. Als sehr hilfreich haben sich hier der Einsatz und die Weiterentwicklung von Checklisten und Auswertungsinstrumenten erwiesen ...

Mitarbeit im „Lebensfeld Schule“

Da ich unsere Schule und ihr Umfeld ganz gut kenne, bestehen darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, den Zusammenhalt in unserem Schulzentrums zu steigern - Zu nennen sind hier u.a.:

  • Ganztagsangebote (nicht nur) im Jugendforum und die Kooperation mit den KollegInnen dort
  • meine Mitarbeit im Trainingsraum-Team und bei Evaluation und Weiterentwicklung des Konzepts
  • die Unterstützung der Arbeit der SMV - bei Treffen und Tagungen, im Schüler-Cafe oder bei Schulfesten
  • das Projekt „Lernen und Leben im Bauernhaus der Schule in Zimmern“
  • Unterstützung für die Arbeit der Mensatreff-Initiative (Schülerhelfer, Kasse, Werbung)
  • die aktive Teilnahme im AK Kinder und Jugendliche, in dem sich alle Institutionen des Stadtteils treffen
  • Begleitung und individuelle Hilfen beim Übergang Schule-Beruf für HauptschülerInnen
  • die Anleitung und den gezielten Einsatz von Sozialpädagogik-PraktikantInnen

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