Geschwister-Scholl-Schule Tübingen

Sie sind hier: Start > Unsere Schule > Gemeinschaftsschule

Gemeinschaftsschule

Der Schulversuch "Erweiterte Kooperation" (ERKO)

Diese Information soll Ihnen die wesentlichen Elemente des Modells vorstellen, das wir seit dem Schuljahr 2009/2010 an der Geschwister-Scholl-Schule durchführen.

Dabei sind wir aber insgesamt erst am Anfang. Mit der konkreten Ausarbeitung unseres Modells haben wir im Januar 2009 begonnen, nachdem die Genehmigung des Ministeriums für Kultus und Sport vorlag - die Aufnahme der ersten Schüler erfolgte im September 2009.

Das bedeutet für uns, dass einerseits das Konzept regelmäßig durch Fragen, die sich erst im Alltag stellen, überarbeitet und „geschärft“ werden muss, dass parallel die momentan noch nicht eingeführten Elemente angebahnt und die für die höheren Klassen notwendigen Veränderungen erarbeitet werden müssen. Insofern ist diese Modellbeschreibung eine Momentaufnahme des aktuellen Entwicklungsstands zum Jahresbeginn 2011.

Das Modell

Menschen sind unterschiedlich - und das ist auch gut so, denn nur Unterschiede können zu gegenseitiger Bereicherung führen. Das Projekt „Erweiterte Kooperation“ an der Geschwister-Scholl-Schule möchte die Unterschiedlichkeit der Kinder in ihren Fähigkeiten, ihrer Leistungsbereitschaft, ihrem Durchhaltevermögen etc. bewusst zum Ausgangspunkt von Schulgestaltung machen. Das „Programm“ von „ErKo“ (Erweiterte Kooperation) lautet daher: „Individuelle Lernangebote für Schülerinnen und Schüler in heterogenen Lerngruppen“ zu machen. Deshalb werden Kinder mit allen Grundschulempfehlungen und Leistungsausprägungen in die gemeinsamen Lerngruppen aufgenommen.

Die Kinder kommen zwar mit den Empfehlungen für Hauptschule, Realschule und Gymnasium und erhalten auch die entsprechenden Lernangebote. Allerdings weisen wir nicht die Kinder im vorhinein unseren Schularten zu, sondern wir „holen“ aus den Schularten die Inhalte und Herausforderungen, die für den Einzelnen passend sind - unsere Schularten kooperieren also sehr intensiv miteinander.

Es ist uns wichtig, zu betonen, dass wir mit diesem Projekt keine Neuauflage der Schulsystemdebatte begründen wollen, sondern es als einen Beitrag zur „Lerndiskussion“ verstehen, die wir bewusst als Realschule und Hauptschule mit Beteiligung des Gymnasiums gestalten. Dabei gelten für uns die Arbeitsbedingungen einer öffentlichen Schule. Zusätzliche Ressourcen, die uns zugewiesen wurden, fließen überwiegend in die Konzeptionsentwicklung und nicht in den Alltagsbetrieb.

Bei der Entwicklung unseres Modells geht es uns auch darum, die „systemische“ Dimension des Schulbetriebs mit seinen vielfältigen gegenseitigen Wechselwirkungen im Blick zu behalten.

Isolierte Änderungen im System Schule sind letztlich wenig erfolgversprechend. Lehren und Lernen sind aufeinander bezogen. Wenn sich das Lernen verändert, muss sich auch das Lehren verändern, wenn es noch zu einander passen soll.

Auch der Zusammenhang von Lernen und Lernumgebung muss bedacht werden. Ziele lassen sich nicht in beliebiger Umgebung erreichen. Lernprozesse folgen nicht nur den Erkenntnissen der Allgemeinen Didaktik, sondern müssen darüber hinaus eine Umgebung erfahren, die die angestrebten Ziele unterstützt und nicht verhindert. Um diesen Zusammenhang von Lernverfahren und Lernumgebung zu betonen, verwenden wir den Begriff des „Lernkonzepts“.

Um das Spannungsfeld von Heterogenität und Homogenität sowie individuellem und kooperativem Lernen zu nutzen, ist es weder sinnvoll, komplett auf Heterogenität zu setzen, noch auf größtmögliche Homogenität. Man muss sich vielmehr die Frage stellen, an welcher Stelle, in welchen Fächern welche Strategie die bestmögliche ist. In manchen Fächern macht Heterogenität in den Lerngruppen keinen Sinn - in anderen sehr wohl. Deshalb machen wir auch Unterschiede zwischen den Fächern und unterscheiden insgesamt drei Lernkonzepte.

Zu jedem Lernkonzept gehören bestimmte Elemente, die allerdings nicht alle zur gleichen Zeit mit den Schülern eingeübt werden können. Einige Methoden und Verfahren werden schon im Laufe der fünften Klassenstufe eingeführt, andere sind für einen späteren Zeitpunkt, teilweise erst für die siebte oder achte Klassenstufe, vorgesehen.

Zusammen mit Veränderungen in der Gestaltung des Lernens haben wir auch die beschreibenden Begriffe verändert. Klassen heißen bei uns „Lerngruppen“, die Lehrer sind „Lernbegleiter“ und die zusätzlichen Personen, die die Kinder im „Lernatelier“ und in der zusätzlichen Lernzeit begleiten, heißen „Lernunterstützer“. Dies soll betonen, dass wir das Lernen in den Mittelpunkt stellen wollen.

Wegen der durch die Aufnahmeregelungen bedingten großen Leistungsunterschiede ist klar, dass sich die Gestaltung der Lehr– und Lernprozesse an einer Schule, die die Individualität des Schülers betont, an zentralen Punkten deutlich verändern muss.

Diese Veränderungen betreffen:

Das Lernarrangement (Lernkonzepte)

Das individuelle Lernen zu betonen bedeutet, die Lernprozesse in den Vordergrund zu stellen und die Lehrtätigkeit unterstützend darauf abzustimmen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass neben den individuellen Lernprozessen soziale Lernprozesse ihre Bedeutung haben und zeitlich / organisatorisch zu berücksichtigen sind. Daraus ergibt sich ein Zusammenspiel mehrerer Organisationsmuster von Lehr- und Lernprozessen - die sogenannten „Lernkonzepte“.

Weitere Information:

InfoErko_Lernkonzept_I

InfoErko_Lernkonzept_II

InfoErko_Häufig gestellte Fragen

Pädagogische Diagnostik

Die Entscheidung, die individuellen Lernprozesse in den Mittelpunkt zu stellen, macht es erforderlich, relativ schnell wesentliche Informationen über die Ausprägungen der einzelnen Kinder zu haben, um die Lernangebote und die Begleitung daraufhin abzustimmen. Diese Notwendigkeit führte zur Entwicklung einer handhabbaren Methode von Analyse und Beratung.

InfoErko Pädagogische Diagnostik

Persönliches Coaching

Individuelles Lernen ist in hohem Maße eigenes Lernen der Kinder, für das sie sehr früh Verantwortung übernehmen müssen. Die Fähigkeit, die eigenen Lernprozesse zu sehen und zu gestalten, ist aber nicht von vorneherein vorhanden, sondern muss in der Schule entwickelt werden. Deshalb ist in unserem Modell die intensive Begleitung der Entwicklung der Lern– und Arbeitsfähigkeit durch „Schulisches Coaching“ ein zentrales Element.

InfoErko_Individuelles Coaching

Zeitstrukturen

Die veränderte Organisation des Schulbetriebs verlangt auch nach anderen Formen des zeitlichen Ablaufs. Trotz der Grundorientierung an einem überwiegend durch Doppelstunden geregelten Schultag verlangen insbesondere die individuellen Lernprozesse nach einem festen Rhythmus, den wir zum Beispiel durch die sog. „IA-Zeit“ im Schulvormittag eingeplant haben. Auch das Coaching und die Team-Sitzungen brauchen festgelegte Zeitfenster. Dabei spielt die Orientierung an den Zeitfenstern einer Ganztagesschule eine Rolle.

InfoErko_Rhythmisierung

Profile & Abschlüsse

Wenn Kinder mit allen Grundschulempfehlungen und damit mit allen Leistungsausprägungen aufgenommen werden, dann muss für jedes Leistungsvermögen ein angemessener Schulabschluss ermöglicht werden. Diesem Zweck dienen die schulinternen „Abschluss-profile“. Mit diesen Profilen soll sichergestellt werden, dass alle in Baden-Württemberg möglichen Schulabschlüsse angeboten und vorbereitet werden.

InfoErko_Profile & Abschlüsse

Weitere Schwerpunkte

Über die mit der Gestaltung der Lernprozesse notwendig gewordenen Veränderungen hinaus haben wir für das Modell zwei weitere Schwerpunkte gesetzt: Eine frühe Beschäftigung mit Fragen der Technik sowie als persönlichkeitsentwickelnde Komponente das Theater. Damit verbinden wir die Sicht, dass Bildung ein Prozess ist, der den ganzen Menschen umfasst, damit ganzheitlich angelegt sein muss und nicht auf isolierte Aspekte reduziert werden kann.

InfoErko_Lernkonzept_III

Fortbildung & Qualifizierung

Neben allen bereits angedeuteten Veränderungen, die unser Modell für die Gestaltung von Schule umfassen, betrifft eine weitere wesentliche Dimension der Veränderung das Handeln der Lehrerinnen und Lehrer. Lernen zu gestalten, heißt Abschied zu nehmen von jenem Verständnis, dass es Hauptaufgabe jedes Lehrers sei, seinen Schülern „lehrend“ etwas beizubringen. Die Beteiligten müssen quasi ihren Beruf in zentralen Bereichen insofern „neu erlernen“, als sie ihr Handlungsrepertoire erweitern. Dazu bedarf es einer breit angelegten Fortbildung und Qualifikation.

InfoErko_Fortbildung & Qualifizierung

Nach oben